Beide Sportarten tragen denselben Ursprung im Namen, doch wer genau hinsieht, erkennt schnell: Rugby Union und Rugby League sind heute zwei sehr unterschiedliche Spiele – mit eigener Geschichte, eigenen Regeln und einer eigenen Kultur.
Ein kurzer Blick zurück
Alles begann 1823 in der englischen Stadt Rugby. Der Legende nach griff der Schüler William Webb Ellis während eines Fußballspiels den Ball und rannte damit los – ein Regelbruch, der später den Grundstein für eine neue Sportart legte. 1871 entstand daraus die Rugby Football Union (RFU), der erste offizielle Verband des Rugbysports.
Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Spaltung. In England gab es zwei Spielertypen: die Amateure aus wohlhabenden Kreisen, die kostenlos spielten, und die Arbeiter, die eine Bezahlung brauchten, um sich den Sport leisten zu können. Die RFU verbot professionelle Spieler und Vereine – woraufhin sich die Nordengländer 1895 abspalteten und die Northern Rugby Football Union gründeten, den Vorläufer des heutigen Rugby League. Seitdem gehen Rugby Union und Rugby League getrennte Wege.
Video: Rugby Union und Rugby League
Wer die Unterschiede zwischen Rugby Union und Rugby League nicht nur lesen, sondern sehen will, kann sie im folgenden Video direkt erleben. Es zeigt Spielszenen, die das Zusammenspiel, die Tackles und die Spielstruktur beider Varianten deutlich machen. So wird klar, warum Rugby League schneller wirkt und Rugby Union stärker auf Ballbesitz und Taktik setzt.
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Der zentrale Unterschied: das Tackling
Beide Varianten verfolgen das gleiche Ziel: den Ball ins gegnerische Malfeld zu bringen oder ihn durch die Torstangen zu kicken. Der entscheidende Unterschied zeigt sich nach dem Tackling.
Im Rugby Union ist das Tackling umkämpft. Nach einem Tackle muss der Ballträger den Ball freigeben – beide Teams können ihn erobern. Es entsteht ein sogenannter Ruck, ein dichtes Gedränge am Boden, in dem beide Seiten um den Ball kämpfen.
Im Rugby League dagegen ist das Tackling nicht umkämpft. Wird ein Spieler zu Boden gebracht, endet die Aktion, und die Verteidigung muss 10 Meter zurückweichen. Der Ballträger spielt den Ball mit dem Fuß nach hinten zu einem Mitspieler, und das Spiel läuft weiter. Nach sechs Tackles wechselt der Ballbesitz automatisch zur anderen Mannschaft – ähnlich wie im American Football.
Punkte, Spieler und Spielstil
- Spielerzahl: 15 im Union, 13 im League
- Try: 5 Punkte im Union, 4 Punkte im League
- Straftritt: 3 Punkte im Union, 2 Punkte im League
- Drop Goal: 3 Punkte im Union, 1 Punkt im League
Während im Rugby Union Taktik, Ballbesitz und Raumgewinn im Vordergrund stehen, setzt das Rugby League stärker auf Tempo, Physis und direkte Angriffe.
Unterschiedliche Philosophie
Die Veränderungen im Rugby League dienten dazu, den Sport zuschauerfreundlicher zu machen – kürzere Unterbrechungen, mehr Ballaktionen, klarere Spielzüge. Rugby Union blieb dagegen traditioneller, komplexer und taktisch vielschichtiger.
Anhänger beider Varianten necken sich seit jeher: Union-Spieler gelten in den Augen der League-Fans als „feine Gentlemen“, League-Spieler hingegen als „harte Arbeiter“.
Beliebtheit weltweit
Rugby Union ist heute die dominierende Variante – sie wird in weit mehr Ländern gespielt und ist der Standard in Schulen und Nationalmannschaften. Rugby League ist vor allem im Norden Englands, in Australien und Neuseeland stark verankert. Nur in Australien übertrifft seine Popularität die des Union-Rugbys.
Zwei Spiele – zwei Welten
Rugby League ist schnell, direkt und körperlich. Rugby Union ist komplex, strategisch und voller Nuancen. Welche Variante die bessere ist, bleibt Geschmackssache. Wer sich damit auseinandersetzt, versteht bald: Es gibt mehr als nur eine Art Rugby zu spielen – und die Rugby Seven habe ich hier noch nicht einmal erwähnt.







